Und wenn man dann irgendwann herausfindet, dass man nicht der Einzige ist, der dieses spezielle Problem hat, dann kann das sehr wohltuend und erleichternd sein. Denn wenn andere die gleiche Geschichte am Laufen haben, dann fühlt man sich nicht mehr ganz so verkehrt oder falsch. Und geteiltes Leid ist halbes Leid. Doch zuerst muss man herausfinden, wobei es sich dabei konkret handelt.
Deswegen ist es so hilfreich, einen Namen für Unstimmigkeiten oder Probleme zu finden, weil es oft der Anfang der Heilung oder eines gesünderen Umgehens mit den eigenen Einschränkungen ist.
Es gibt hier aber auch eine große Gefahr. Diese Gefahr besteht darin, sich selbst zu sehr mit seinem Problem zu identifizieren und sich als Mensch komplett über das Problem zu definieren.
Wenn ich anfange, so zu denken, dann wird das Etikett der Krankheit oder der Problembezeichnung zu einem festen Teil des eigenen Selbstbildes. Und das ist sehr hinderlich für mein weiteres persönliches Wachstum.
Denn Selbstzuschreibungen, die ins eigene Selbstbild gewandert sind, sind nur noch sehr schwer zu ändern. Weil wir nicht mehr daran glauben, dass wir sie ändern können. Wir denken, dass wir so SIND. Und was wir SIND, kann man eben nicht ändern.
Wenn ich fest daran glaube, dass ich eben tief in meiner Seele ein „unpünktlicher Mensch“ bin, dann werde ich nicht versuchen, daran etwas zu ändern, selbst wenn ich deswegen ständig Schwierigkeiten bekomme. Ich kann es ja nicht ändern, denn ich BIN schließlich so.
Womit ich nicht sagen will, dass man alles ändern kann. Das kann man nicht.
Aber erstaunlich oft ist bei der Lösung eines Problems der Engpass in unserem Kopf und nicht in der Realität. Und wenn wir nicht daran glauben, dass wir etwas zum Besseren ändern können, dann werden wir es gar nicht erst versuchen. Deswegen ist es so wichtig, vorsichtig mit diesen einschränkenden Selbstzuschreibungen zu sein. Und es ist wichtig, sich nie, nie, nie über die eigenen Probleme zu identifizieren und diese nie zu sehr zum Zentrum des eigenen Lebens zu machen, auch wenn es schwerfällt.
Denken Sie lieber anders über Ihre Herausforderungen nach:
- Ja, Sie haben dieses Problem vielleicht im Augenblick, aber Sie sind nicht dieses Problem, Sie sind noch viel mehr.
- Sie haben vielleicht im Augenblick diese Einschränkung oder dieses Problem (aber sie haben es nicht zwingend für immer)
- Sie haben vielleicht Trainings- oder Wachstumsbedarf in einem Bereich.
- Sie haben vielleicht NOCH nicht gelernt, wie man mit bestimmten Situationen vernünftig umgeht, aber Sie können es lernen.
Statt zum Beispiel zu sagen „Ich bin Sozial-Phobiker“ sagen Sie lieber: „Ich habe im Augenblick noch ein paar ungünstige Muster in meinem Denken und Verhalten, aber das kann ich mit Training in den Griff bekommen.“
Ja, jeder von uns hat seine Probleme und Schwierigkeiten. Man könnte auch sagen, jeder hat seinen ganz persönlichen Wachstumspfad. Wenn Sie Ihre Herausforderungen als Weg vor Ihnen begreifen, dann ist es wesentlich einfacher, mit den Herausforderungen umzugehen. Und die Gefahr ist dann auch geringer, sich mit den eigenen Problemen zu sehr zu identifizieren und diese damit zu zementieren und dadurch stecken zu bleiben.
Gerne helfe ich Ihnen bei der Problemfindung. Gemeinsam finden wir einen Weg, damit es Ihnen wieder besser geht!
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